Ab in den Tiefschnee? Aber sicher!

Ab in den Tiefschnee? Aber sicher!

Stiebende Abfahrten im frischen Pulverschnee. Die Sonne im Gesicht. Glücksgefühle. So sollen Winterferien sein. Auch ich freue mich auf die weisse Pracht. Weniger auf rassige Abfahrten, ich bin mehr diejenige des Langsamverkehrs neben der Piste. Neben der Piste heisst für mich: auf Winterwanderwegen. Das gibt mir eine wunderbare Zeit, um mich in der winterlichen Natur zu erholen. Für andere wiederum bedeutet neben der Piste etwas ganz anderes, nämlich neben der gesicherten Piste. Dies offenbar länger je öfters. «Abseits der Pisten zu fahren, boomt», hielt der Verband des Schweizer Sportfachhandels in einem kürzlich veröffentlichten Zeitungsartikel fest und belegte dies mit dem um 20% gewachsenen Anteil der verkauften Touren- und Freeride-Skis. Vor zehn Jahren waren es noch halb so viele. Das Schweizerische Schnee- und Lawineninstitut in Davos doppelte gleich nach. Es geht davon aus, dass jährlich 2000 Menschen von einer Lawine mitgerissen werden. 40 werden durchschnittlich verschüttet und rund 22 sterben. Erschütternde Zahlen, oder nicht? Ich schluckte einmal leer bei der Zeitungslektüre und fragte dann meine 21-jährige Tochter, was wohl der Grund für diesen Trend sein könnte. Als Snowboarderin dürfte sie solches ja wissen. Sie war aber grad mit der Planung ihres samstäglichen Ausgangs beschäftigt und hatte wenig Zeit für eine sorgfältig durchdachte Analyse. «Wahrscheinlich hat es einfach zu viele Leute auf der Piste», meinte sie lakonisch. Wie bitte? Das kann wohl kaum der Grund sein, dachte ich. Ist es auch nicht. Die Suva hat herausgefunden, dass Helmkameras das Gefahrenbewusstsein negativ beeinflussen. Spektakuläre Bilder können dazu verleiten, abseits der Piste zu fahren. Hat schon was für sich, wenn man seine Freunde über die sozialen Medien sofort und zeitgleich mit der Schussfahrt mit dem ultimativen Bild beglücken kann. Aber. Wie gefährlich ist eigentlich der Rausch neben der Piste? Und wie eignet man sich das notwenige Wissen an, um diesen sicher zu geniessen? Dazu hat die Suva zusammen mit dem SLF in Davos eine interaktive Präventationsplattform entwickelt. «White Risk» heisst die App. Sie hilft, die Lawinensituation direkt im Gelände zu analysieren. Lawinenbulletin, Wetterbericht, Landkarten und Windstärken sind weitere Tools. Tolle Sache. Schauen Sie mal rein. Die App vermittelt nicht nur viel Basiswissen zu Lawinenkunde, Schneelagen und Hangneigungen, man kann sich auch die eigene Tour online planen. Die hat man dann mit allen nötigen Infos gleich in der Hosentasche mit dabei. Fehlen nur noch die handfesteren Dinge wie LSV-Gerät, Schaufel und Sonde, die in den Rucksackt gepackt, ja auch nicht verkehrt sind. Die Helmkamera lässt man übrigens besser zu Hause. Sie kann bei einem Sturz auf den Kopf die Verletzungsgefahr erhöhen. Und dann kann’s mit der nötigen Vorsicht ‒ Warnschilder und Wildruhezonen beachtet ‒ losgehen: Freiheit, Schwerelosigkeit, Natur pur und euphorische Glücksgefühle.

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