Ein Haufen Arbeit und viel gute Laune

Ein Haufen Arbeit und viel gute Laune

Es ist so heiss in diesen Tagen dass ich fürchten muss, mein Computer könnte demnächst davonschmelzen. Noch vor mir. Klimaanlage? Schön wär’s – gibt’s nicht. Noch schöner als die künstlich gekühlte Luft wäre es allerdings, in einem frischen Bergwald auf weichem Moos und unter schattigen Tannen zu entspannen. So ein bisschen vor sich hinträumen, die würzige Luft nach Harz und Bäumen in die Lungen fliessen lassen und fröhlichem Vogelgezwitscher zuhören. Paradiesisch. Stattdessen kleben meine Finger an der Tastatur.

Warum mir gerade der schattige Bergwald in den Sinn kommt? Letztens war ich einen Tag an der Holzerwoche des Valbella Inn Resorts. Deshalb. Und weil es ausserdem dort, mitten im Wald, nicht nur angenehm kühl war, sondern auch richtig lustig. Morgens um neun ging es los. Sandro Sutter, der Förster auf der Lenzerheide und dieses Jahr schon zum zweiten Mal Leiter der Holzerwoche, brachte elf «Gäste-Freizeit-Forstwarte» plus mich – nein, nicht zum chillen – sondern zum Bäume fällen nach oben in den Wald. Und das wie anno dazumal. In der Nähe von Scharmoin erwartete uns nämlich Luigi Frigerio, Forstwart-Vorarbeiter im Engadin, mit Sägen, Äxten, Keilen und was es sonst noch so braucht, um eine veritable Tanne zu Fall zu bringen. Das Staunen bei uns war erst einmal etwa so gross, wie das Schmunzeln bei Luigi und Sandro breit.

Schweinefett und Schlemmerbuffet

Aber man wollte sich ja keine Blösse geben. Also ran ans Werkzeug und die angezeichneten Tannen. «Nie stossen, immer nur ziehen», gab Luigi Anweisung. Das galt den Sägen, deren Blätter sich sogleich biegen, wenn man sie falsch bedient. Dann klemmt’s nämlich richtig arg und nur Schweinefett bringt die Sache wieder zum Laufen. Aus Transilvanien habe er es, es sei das beste, liess Luigi wissen. Luigi betreut auch ein Entwicklungsprojekt in Rumänien und bringt das beste aller Schweinfette jeweils von dort mit nach Hause.

Saegen

Der Umgang mit der Axt war auch nicht viel einfacher und vor allem schweisstreibend, selbst im kühlen Bergwald. Dafür war die Stimmung grandios. Der Auslandschweizer aus New York gab Anekdoten aus dem Big Apple zum Besten, der Welschschweizer macht mit seinen Gesangskünsten den Singvögeln Konkurrenz: «La haut sur la montagne … ». Bei soviel motivierender Unterhaltung brauchte es keine drei Stunden, bis zwei Tannen «gebodigt» waren.

Den Lohn dafür packte Luigi aus seinem Tornister aus. Mit dem Sackmesser schnitt er Köstlichkeiten aus den Südtälern auf: luftgetrocknetes Rindsfilet, Wildschweinwürste aus dem Puschlav, verschiedenen Alpkäse aus dem Bergell und dem Engadin und frisches Brot. Sandro spendierte ein Gläschen Weisswein und Kaffee samt Bündner Röteli. Ein wahres Schlemmerbuffet mitten im Wald.

Wald1

Ja eben. Nun bearbeite ich schwitzend meinen Computer und würde für den Tausch mit der Säge absolut jeden Muskelkater in Kauf nehmen. Ehrlich. Leider ist die Holzerwoche für dieses Jahr bereits vorbei. Aber soviel ist klar: Nächstes Jahr bin ich ganz sicher wieder mit von der Partie. Und dann baue ich unter Anleitung von Sandro zum Beispiel ein hübsches Bienenhotel für meinen Garten.

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