Geiss sei Dank!

Geiss sei Dank!

Können Sie sich das vorstellen? Aus der Schweiz wird ein Urwald. Klingt wild. Aber genau das passiert. Überspitzt gesagt: Die Schweiz verwaldet, verwildert und vergandet. Gemäss dem Schweizerischen Landesforstinventar (LFI) hat die Waldfläche der Schweiz zwischen 1985 und 2006 um 8% zugenommen – besonders im Alpenraum. Seit 1860 hat sich die Waldfläche der Schweiz um mindestens einen Drittel vergrössert. Heute sind wieder 1,278 Mio. Hektaren oder 31% der Landesfläche bewaldet.

Dass die Wälder sich vor allem in den Berggebieten weiter ausbreiten, ist unbestritten. Für die Bergbauern ist das eine schlimme Entwicklung, denn ihre traditionellen Alpen wachsen zu. Ohne entsprechende Pflege geht den Bauern wertvolles Weideland verloren und die Alpen – beim Amt für Landwirtschaft Graubünden sind rund 770 Alpbetriebe gemeldet ‒ können nicht mehr bewirtschaftet werden. Unterstützung erhalten die Bauern von Ziegen, rund 12‘000 gibt es im Kanton Graubünden. Just die Geiss erweist sich nämlich als ideales Instrument, um dem Wildwuchs zu Leibe zu rücken. Sie werden deshalb in Projekten gezielt eingesetzt, um Büschen, Stauden und Trieben Einhalt zu gebieten. Das kommt natürlich auch dem Tourismus entgegen. Dank den Geissen erholen sich die Gäste auf ihren Wanderungen in einer gepflegten Kulturlandschaft. Auch diejenigen des Valbella Inn Resorts, samt Hoteldirektor.

Tafel Geiss

Nun ruft der Einsatz gegen die Verbuschung aber auch die Naturschützer auf den Plan. Für sie steht verständlicherweise die Biodiversität im Vordergrund, auch wenn sie moderaterweise finden, man müsse das eine tun und das andere nicht lassen. Es brauche mehr ungeschützte Wildnis als auch mehr artenreiche Kulturlandschaft. So äusserte sich Pro Natura. Die Stiftung «Avenir Swiss» meint ziemlich von oben herab ‒ respektive aus Bündner Sicht eher von unten herauf ‒ die Frage sei nicht, ob es eine Vergandung überhaupt geben dürfe, sondern wie viel Berglandwirtschaft es noch brauche. Die Fragestellung sei, wo man mit einem vernünftigen Aufwand das Alpengebiet besiedelt lassen könne. Ganz im Sinne von: Gebiete, die nicht bewirtschaftet werden, kosten keinen Franken Subvention.

Andere Wildnis-Befürworter schlagen vor, man könnte vielleicht sogar Geld verdienen mit Abenteuer-Touristen, die sich heroisch mit dem Buschmesser durch die Berg-Urwälder schlagen. Das würde dann heissen, statt Landwirtschaftssubventionen, Investitionen in Trekking-Pfade für einen begehbaren Urwald. Das ginge vermutlich genau so lange gut, bis Meister Petz auftauchen würde, welcher sich seinerseits, zusammen mit dem WWF, über erweiterte Lebensräume freuen könnte. Aber – und das schleckt nun wirklich keine Geiss weg ‒ auch ohne ihn wäre ein solcher Tourismus wiederum wohl bloss eine Nische, um das Beste aus der Wildnis zu machen. Unsere wandernden Gäste müssten wohl ihre Wanderschuhe in den Schrank stellen, ausser sie schlagen sich durch die Büsche und teilen ihr Znünibrot mit dem Bär.

Geiss

Zurück zur Geiss: Die vorwitzige und sympathische Geiss hilft beim Schutz vor der Vergandung gerne mit. Tja, und schlussendlich trifft man dann auf der Wanderung über gepflegte Alpen, Geiss sei Dank, Wildnisbefürworter, Subventionsgegner, Bärenexperten, Hoteldirektoren und fröhliche Gäste vereint im selben Wunsch: eine prächtige Kulturlandschaft geniessen zu dürfen.

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