„Wir meinen es doch nur gut!“

„Wir meinen es doch nur gut!“

Ich sass gerade beim Zahnarzt im Wartezimmer. Ich mag ja jeweils solche Wartezeiten, sei es beim Zahnarzt, beim Arzt oder bei meiner Coiffeuse. Sie geben Zeit für vergnügliches Studium der Klatschpresse. Ich blätterte also gerade in einem der bunt bebilderten, ungemein aufschlussreichen Magazine, als mir eine Schlagzeile in die Augen sprang: «Wir meinen es doch nur gut». Darunter stand geschrieben: «Wenn sie ihr Kind auf einen Baum klettern lassen und es runterfällt, sind die Eltern die Idioten, die unverantwortlich und fahrlässig gehandelt haben. Wenn nicht, sind sie die Idioten, die ihr Kind nie auf Bäume klettern lassen». Richtig: Es ging um Helikoptereltern. Das Thema wirft ja immer wieder hohe Wellen.

Sausen lassen oder strikte Kontrolle?

Also. Sagen Sie einmal Ihrem Teenager inbezug auf das Chaos in seinem Zimmer, wie gut sie es mit ihm meinen, wenn sie Aufräumen anordnen. Er springt Ihnen garantiert direkt an die Gurgel. Es geht aber natürlich um weit mehr, als dem Teenager mal kurz auf die Füsse zu treten. Mit dem oben zitierten Vergleich hat es einer echt auf den Punkt gebracht. «Laisser faire» oder Drill und strikte Kontrolle? Überbehüten oder sausen lassen? Und: Meinen Eltern es eigentlich wirklich immer so gut? Oder leiden sie nicht gelegentlich ein ganzes Stück unter dem eigenen Narzissmus? Denn schliesslich soll der Nachwuchs ja nicht die gleichen Fehler machen, seine Chancen (die notabene sie als die richtigen sehen) ergreifen und das Beste aus seinem ohnehin kurzen Leben machen.

Wo ist eigentlich die Grenze zwischen fürsorglicher Behütung und vorsorglicher Überbehütung? Klar, dass immer die Angst im Spiel ist, dass unseren Kindern etwas zustösst oder dass sie mit Leistungsdruck nicht zurechtkommen. Aber deshalb das Kind täglich mit dem Auto zur Schule chauffieren, ihm den Schulthek ins Klassenzimmer tragen, die Pantöffelchen an die Füsse stecken und dem Lehrer gleichzeitig die Meinung zur seiner Notengebung geigen?

Kinder2

Mehr Bauchgefühl

Für mich ist es eigentlich recht einfach. Wir stehen nicht vor einer Generation von Helikopter-Eltern, sondern vor Erwachsenen, die vor lauter Unsicherheit ihr Bauchgefühl verloren haben. Was ist denn einfacher, als auf die eigene Intuition zu hören und ihr und dem eigenen Kind zu vertrauen. Klappt das nicht so ganz, kann man ja auch mal bei erfahrenen Freunden und Bekannten nachfragen, denn die Wahrscheinlichkeit, dass diese vor denselben Fragen stehen, ist gross.

Wenn nun Ihr Kind mal wieder mit den haarsträubendsten Ideen daher kommt, diese unbedingt und sofort umsetzen will, dann reden Sie mit ihm darüber. Packen Sie es nicht in Watte, sondern fragen Sie, was es wirklich will. Zeigen Sie ihm Risiken und Konsequenzen auf und trauen Sie ihm eine eigene Meinung und Lösung zu. Und bitte: Lassen Sie es seine Erfahrungen machen, auch wenn es mal daran scheitert. Ist zwar etwas anstrengender als ein lasches «Ja» oder ein autoritäres «Nein», lohnt sich aber. Schliesslich werden nur aus eigenständigen kleinen Menschlein verantwortungsbewusste, glückliche und starke Erwachsene. Einverstanden?

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