Die Retter vom Dienst

Die Retter vom Dienst

Romano Meier ist Rettungschef bei der Lenzerheide Bergbahnen AG. Zusammen mit seinem Team ist er im Winter auf den Pisten von Arosa Lenzerheide und im Sommer im Bikepark Lenzerheide unterwegs. Immer bereit, die Sicherheit zu gewährleisten und wenn nötig zu helfen.   

Romano Meier. Der Rettungsdienst der Lenzerheide Bergbahnen AG ist im Winter und im Sommer einsatzbereit. Wo lauern die grössten Gefahren auf der Skipiste?

Die Gefahren liegen sowohl auf als auch neben der Piste. Auf der Piste sind es die hohen Frequenzen und die Selbstüberschätzung der Skifahrer. Womit wir gleich bei der FIS-Regel Nr. 2 sind, welche heisst, die Geschwindigkeit dem Können und den Verhältnissen anzupassen. Zudem gilt es auf die anderen Skifahrer zu achten. Es ist wie beim Autofahren, der Seitenblick lohnt sich.

Braucht es vermehrte Sensibilisierung?

Die Sensibilisierung zur Eigenverantwortung wird von Suva und Bfu bereits mit verschiedenen Kommunikationsmassnahmen stark unterstützt. Trotzdem sind sich die Leute oft der FIS-Regeln, respektive der Gefahren für sich und die anderen bei einer Missachtung, nicht bewusst. Was viele nicht wissen: Die FIS-Regeln werden bis vor Bundesgericht berücksichtigt. Das heisst, dass beispielsweise die FIS-Regel Nr. 2 gleich bedeutend ist wie das Nichtbeherrschen des Fahrzeuges.

Wie sind die Gefahren abseits der Piste?

Abseits der Pisten sind Steine, insbesondere bei wenig Schnee, und die Lawinengefahr die grössten Gefahren. Letztere kann infolge einer schlechten Schneedecke auch bei wenig Schnee gross sein. Man kann den Spass neben der Piste durchaus geniessen, aber man muss das Wetter und die Lawinensituation kontrollieren, gut ausgebildet und gut ausgerüstet sein.

Wie genau wird denn eigentlich eine Piste gesichert?

Gesichert werden die Pisten mit Markierungsstangen und Netzen. Zudem signalisieren wir Gefahrenstellen wie etwa Kreuzungen oder Steine und sprengen frühzeitig Lawinen, welche auf die Pisten niedergehen könnten. Gesichert werden nicht nur die Pisten, sondern auch die sogenannten Sturzräume. Diese umfassen eine Schwungbreite, also ungefähr zwei Meter, über die markierte Piste hinaus. Ein grosses Anliegen ist uns das Verständnis für die Sperrung einer Piste. Denn genau dort lauern allfällige Gefahren aufgrund ungesicherter Hindernisse. Zudem sind nach den letzten Pistenkontrollen die Pisten ebenfalls gesperrt. Ausserhalb der Betriebszeiten präparieren wir sie mit schweren Maschinen und beinahe unsichtbaren Seilwinden. Es kann extrem gefährlich sein, sich dann im Skigebiet aufzuhalten.

Wie läuft eine Rettung ab? Es kommt ein Anruf und dann?

Der Anruf auf die Nummer 081 385 55 55 der Lenzerheide Bergbahnen AG erreicht unsere SOS-Zentrale. Der dortige Mitarbeitende macht ausfindig, wo sich die verletzte Person befindet, was passiert ist und notiert den Namen und die Telefonnummer des Alarmierenden. Im nächsten Schritt wird die nächstliegende der elf SOS-Stationen im Skigebiet per Funk informiert. Der jeweilige Patrouilleur vor Ort rückt aus, meldet sich zurück, wenn er beim Unfall ist, sichert als erstes den Unfallplatz und beurteilt den Patienten. Danach organisiert er das weitere Vorgehen, fordert von der Zentrale an, was er braucht, sei es die Ambulanz im Tal oder die Rega. Die weitere Organisation läuft über die Zentrale.

Was heisst das zeitlich? Vom Moment des Alarms bis der Patrouilleur vor Ort ist?

Da reden wir ungefähr von fünf Minuten und bis zu einer Viertelstunde, wobei eine Viertelstunde eigentlich die Ausnahme ist. Um schnell bei einem Verunfallten zu sein, ist es wie gesagt sehr wichtig, dass die Alarmierenden klar sagen, wer sie sind, wo genau sie sich befinden, was passiert ist, dass sie etwas zur ungefähren Verletzung sagen können und wieviel Personen in den Unfall involviert sind. Und natürlich sollen sie ihre Telefonnummer angeben, damit wir zurückrufen können, falls wir die Unfallstelle nicht finden.

Wie kann der Gast den Rettungsdienst vor Ort unterstützen?

Vor Ort bleiben, die Unfallstelle sichern, beispielsweise mit in den Schnee gesteckten, gekreuzten Skiern, den Patienten betreuen bis wir kommen und den Anweisungen des Patrouilleurs folgen. Wir sind oft auf Hilfe angewiesen und sehr dankbar Unterstützung, da wir meist alleine unterwegs sind.

Wieviele Unfälle verzeichnen Sie pro Jahr?

Das ist recht unterschiedlich. Pro Wintersaison sind es zwischen 500 und 700 auf der Piste. Neben der Piste sind es nicht so viele. Im Sommer sind es mit rund 80 im Bikepark massiv weniger.

Haben die Unfälle zugenommen in den letzten Jahren?

Im Gesamten eher abgenommen. Durch die Frequenzen im neuen Bikepark sind sie allerdings im Sommer eher gestiegen.

Hat sich die Schwere der Unfälle verändert?

Im letzten Winter gab es markant mehr Kollisionen, womit wir wieder beim Thema sind: Es gilt aufeinander Rücksicht zu nehmen.

Welche Art von Verletzungen ist am häufigsten?

Es ist jede Saison wieder etwas anders. Im letzten Winter hatten wir viele Knieverletzungen und trotz Helm auch einige Kopfverletzungen. Im Sommer sind es Schlüsselbein- und Schulterverletzungen im Bikepark.

Wie sehen Ihre Aufgaben im Sommer aus?

Im Sommer betreuen wir den Bikepark Lenzerheide. Während der Woche arbeiten zwei Leute im Unterhalt und der Rettung. Ich koordiniere im Büro. Am Wochenende ist jeweils ein Pikettdienst eingesetzt. Zur möglichst effizienten Rettung ist der Bikepark in beschriftete Sektoren aufgeteilt, die ein schnelles Auffinden des Verunfallten ermöglichen. Die Alarmierung läuft über die Nummer 144. Ausgerüstet sind wir mit einem Rettungsfahrzeug sowie mit medizinischem Material für eine Erstversorgung bis die Ambulanz vor Ort ist. Das heisst: Derjenige vor Ort kann den Notarzt kommen lassen, die First Responser der Lenzerheide, die Ambulanz oder direkt die Rega. Speziell ist im Sommer, dass wir den Verunfallten nicht so einfach transportieren können, insbesondere in den unwegsamen Waldabschnitten. Daher müssen wir öfters den Helikopter einsetzen als im Winter. Im Winter kommen zur Bergung eher Rettungsschlitten zum Einsatz, mit welchen wir die Patienten liegend transportieren können. Zu unseren weiteren Aufgaben im Bikepark gehören zudem die Signalisierung, Unterhaltsarbeiten sowie wie die Sicherung von Gefahrenstellen.

Gehören die Wanderwege auch dazu?

Nein, unser Hauptaufgabengebiet ist der Bikepark. Sofern uns aber ein Notruf von ausserhalb des Bikeparks erreicht, dann organisieren wir die Bergung beispielsweise zusammen mit der Rega. Wenn wir im Sommer eine Rettung im Gebiet Lenzerheide haben, dann ist es meistens wegen des Wetters. Es empfiehlt sich, bei Wanderungen darauf zu achten, ebenso auf eine gute Tourenplanung mit Kartenmaterial und eine gute Ausrüstung.

Zurück zum Bikepark: Wo lauern die grössten Unfallgefahren?

Gefährlich ist im Bikepark, wie auf den Pisten, vor allem die Selbstüberschätzung der Fahrer und entsprechend unangepasstes Fahren. Das Material ist eigentlich heute sehr gut, signalisiert ist auch – in rote, schwarze und blaue Strecken oder Abschnitte. Wir empfehlen den Fahrern unbedingt, die Strecken vorher zu besichtigen. Und wie im Winter auch gilt auch im Sommer die oberste Regel: Rücksicht auf andere.

Romano Meier …

… ist als gebürtiger Bündner im Berner Oberland aufgewachsen. Er absolvierte den Patrouilleur A-Kurs und B-Kurs, sowie die Sprengprüfung und die Ausbildung zum Pistenrettungsfachmann. Gesamtschweizerisch bildet er Patrouilleure aus. Romano Meier arbeitet seit sieben Jahren für die Lenzerheide Bergbahnen AG. 

Die FIS-Regeln sind allgemeine Verhaltensregeln des Internationalen Ski-Verbandes FIS für Skifahrer und Snowboarder. Sie gelten weltweit und sollen ‒ einer Strassenverkehrsordnung vergleichbar – Unfälle und gegenseitiges Gefährden vermeiden. Der oberste Grundsatz der FIS-Regeln lautet «Rücksicht».

Mehr Infos: http://lenzerheide.com/de/winter/skigebiet/das-isch-arosa-lenzerheide

Oder direkt: https://www.youtube.com/watch?list=PLfd1FZSBBVuRUBiVegak2bMiTYoExdvDS&v=JoaajLVzZKM

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